Das Franzosenviertel in Haidhausen

Als der Haidhauser Bahnhof vom Architekten des Maximilianeums, Bürklein, nach zweijähriger Bauzeit 1871 eröffnet wurde, war das Gelände zwischen den Bahnanlagen im Osten, der Rosenheimer Straße im Süden, der Milch- und Steinstraße im Westen und der Preysingstraße im Norden noch unbebaute Flur ("Auf den Lüften") – Damals entwarf Arnold von Zenetti 1870 einen typisch gründerzeitlichen Stadterweiterungsplan für die "Straßenzüge zum Braunauer Bahnhof". Der halbrunde Orleansplatz bildet die Basis für die symmetrisch konzipierte Dreistrahlanlage des "Franzosenviertels" mit der Wörthstraße als Mittelachse sowie der Weißenburger Straße und Belfortstraße als Diagonalen.

Als 1872 die ersten Straßen in den Wiesen angelegt wurden, benannte man sie nach Orten siegreicher Schlachten im deutsch-französischen Krieg (1870/71). Bebaut wurde das Gelände von der Rosenheimer Straße her in Richtung Norden zwischen 1870 und 1900 meist im Stil der Neurenaissance (80er Jahre) und des Neubarock (90er Jahre).

Durch die enge Bebauung für die ärmere Bevölkerung war um 1900 eines der dichtest besiedelten Gebiete der einstigen Residenzstadt entstanden, das heute einen für München ungewöhnlich hohen Anteil (zwei Drittel) älterer Bausubstanz aus der Zeit vor 1914 aufweist.

Verfasser: Johann Baier, Vorsitzender der "Freunde Haidhausens"

 
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