Die „Schwaig“ – ein fast verschwundenes Herbergengebiet in Haidhausen an der alten Salzstraße
zusammengesellt von Johann Baier

Dieses Herbergengebiet erstreckte sich wie ein Straßendorf längs der Straße nach Wien von der „Kreppe“ neben dem Wiener Platz über die „Grube“ und die Häuser „An der Schwaige“, dann entlang der „Äußeren Wienerstraße“ (heute Einsteinstraße) bis zum „Kuglerberg“ am Ostrand Haidhausens, wo die Ackerflur auf den Lehmfeldern begann. Die „Schwaig“ umzog den Dorfkern mit den vier Bauernhöfen nahe der alten Haidhauser Kirche wie einen Halbkreis, der von ihm ursprünglich durch Acker-, Wiesen- und Gartenland getrennt war. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde in den Registern, Personenverzeichnissen und Protokollen der Hofmark Haidhausen streng zwischen dem „Dorf“ und der „Schwaig“ unterschieden, wobei die Häuserzeile „An der Schwaige“ nur ein kleiner Teil des gesamten Herbergengebietes „Schwaig“ war. – Ein Plan in dem 1858 erschienenen, sehr detaillierten Stadtatlas von Gustav Wenng zeigt auf einem großformatigen Doppelblatt die Gesamtsituation Haidhausens, jedes einzelne Anwesen mit der Hausnummer, den einstigen Straßenverlauf, die Burgfriedensgrenze zwischen der bis 1854 selbständigen Gemeinde und dem seit Jahrhunderten städtischen Gasteig sowie die unbebaute Flur im Osten und Südosten Haidhausens, das schon über 1000 Jahre früher – im Jahre 808 – in einer Freisinger Urkunde als „Haidhusir“ Erwähnung findet.

In dem Herbergengebiet „Schwaig“ wohnte vornehmlich die ärmere Bevölkerung. Für sie waren ihre Wohnstätten, die sog. „Herbergen“ typisch. Es waren dies kleine, einfache, eng aneinander grenzende, teilweise recht eigenwillige Häuschen, in denen unter einem Dach bis zu 10 Familien wohnten. Der von ihnen bewohnte Raum, das „Gemach“ war im Eigentum der jeweiligen Familie (rechtlich vergleichbar mit der heutigen Eigentumswohnung). Zumeist hatte jedes Gemach bzw. Herberge einen eigenen Eingang. Jeder Eigentümer gestaltete den ihm gehörenden Teil des Hauses nach seinem Geschmack, seinen Verhältnissen und seiner Leistungsfähigkeit so aus, wie es ihm gefiel, und so konnte man oftmals schon von außen erkennen, wie viele Gemächer in einem Hauswaren. Das verlieh dem Herbergsanwesen ein oft malerisches Aussehen. Den hygienischen Erfordernissen entsprachen sie jedoch meist in keiner Weise. Zumeist bestanden die Häuser im Erdgeschoss aus einem Steinsockel, darüber aus Holz. Die Pumpbrunnen waren außerhalb des Hauses. Die sanitären Anlagen waren ein Übel. Deshalb galten die Herbergsviertel in Seuchenzeiten als Brutstätten von Krankheiten.

Auch im „Dorf“ fanden sich solche Wohnbauten primitivster Art, im Kriechbaumhof, bestehend aus vier Herbergsanwesen, im Grafenwinkel, in der Wolfgang- und Leonhardstraße gleich unterhalb des einstigen Preysingschlosses, das an einer markanten Hangkante liegt. Im Lagerbuch der Hofmark Haidhausen von 1792 sind im „Dorf“ 92, in der „Schwaig“ 95 Häuser, also insgesamt 187 Häuser mit knapp 400 Familien verzeichnet. Die meisten von Ihnen sind – wie sich zeigen wird – Herbergsanwesen mit 2 bis 10 Herbergen, die alle in der Regel einen anderen „Besitzer“ hatten.

Eine „Kreppe“ ist ein vom Wasser ausgespülter Graben, ein Hohlweg, der befahrbar ist. Die Haidhauser „Kreppe“ ist eine Quellmulde, in der Grundwasser an der Oberfläche austritt und ein kleines Tälchen geschaffen hat, das sich im Brunntal (nördlich des Maximilianeums) fortsetzt und beim Achtersee (unterhalb des Friedensengels) in die Isar mündete. Seit etwa 1857 wird der Bach wegen der Anlage der Äußeren Maximilianstraße (heute Max-Planck-Straße) streckenweise unterirdisch geführt. Seit der Anlage der Prinzregentenstraße und der Luitpoldbrücke ab 1891 und dem Bau des Maximilianswerks im Jahre 1895 (durch Carl Hocheder, den Architekten des Müllerschen Volksbades) mündet der der bei der Kreppe entspringende Quellbach nahe dem Elektrizitätwerk, wo auch der fast 7 km lange Auer Mühlbach der Isar wieder zugeführt wird.

In diesem aufgeweiteten Wassergraben mit dem „öden Grund“ durften die Tagelöhner in drangvoller Enge ihre schlichten Herbergsanwesen errichten. In einem Verzeichnis der Haus- und Herbergenbesitzer von 1861 sind 12 Anwesen für die Kreppe verzeichnet, von denen 8 zwischen zwei und 6 Herbergen aufwiesen:

5 mit je 2 Herbergen
1 mit 3 Herbergen
1 mit 4 Herbergen
1 mit 6 Herbergen (im Durchschnitt 2,87.. Herbergen pro Herbergsanwesen)

Diese 15 Herbergen waren 1861 im Eigentum von 12 Tagelöhnern, einem Steinhauergesellen, einem Wegmacher und einem Ziegelmeister. – Die übrigen 4 Anwesen gehörten jeweils einem Eigentümer, nämlich einem Tagelöhner, einem Steinschleiferssohn, einem bürgerlichen Maler und einer Näherin.

Drei Herbergsanwesen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts und ein Pumpbrunnen sind heute noch in der etwas versteckt liegenden Kreppe zu entdecken, drei weitere am Ausgang der Kreppe auf der Nordseite des Wiener Platzes, der an der einstigen Grenze zwischen der bis 1854 selbständigen Gemeinde Haidhausen und dem städtischen Gasteig liegt. Hier endete deshalb die „Wiener Straße“, die sich aber in der „Äußeren Wiener Straße“ über den heutigen Max-Weber-Platz nach Osten fortsetzte. (Heute verläuft die „Innere Wiener Straße“ bis zum „Haidhauser Stachus“, wo sie als Einsteinstraße weiter nach Osten führt.)

Das zweite Teilgebiet des Herbergenviertels an der alten Salzstraße ist die „Grube“. Darunter verstand man eine Ansiedlung, die schon sehr früh auf einem „öden Grund“ (Ödland) in einer aufgelassenen, großen Kiesgrube in der Nordostecke des heutigen Max-Weber-Platzes zwischen Ismaninger Straße und Einsteinstraße angelegt wurde. Noch um 1900 bot sie mit ihren kleinen, bunten, regellosen und willkürlich ausgestalteten Häuschen einen malerischen und idyllischen Anblick, der Maler und Fotografen in seinen Bann zog.

Im Verzeichnis der Haus- und Herbergenbesitzer vom April 1861 sind für die Grube 48 Häuser ausgewiesen, davon 37 als Herbergsanwesen mit zusammen 140 Herbergen (im Durchschnitt 3,78 Gemächer pro Herbergsanwesen). Diese Herbergen als Teil eines Hauses waren im Eigentum von 86 Tagelöhnern, 15 Maurern, 17 Zimmerleuten, 1 Ziegelarbeiter. Weitere Berufe waren z. B. Hadernsammler, Heubinder, Bäckerschießer, Schrannenarbeiter. Die Zahl der Herbergen der 37 Herbergsanwesen stellt sich im Detail folgendermaßen dar:

8 mit je 2 Herbergen
10 mit je 3 Herbergen
11 mit je 4 Herbergen
2 mit je 5 Herbergen
4 mit je 6 Herbergen
1 mit 7 Herbergen
1 mit 9 Herbergen (siehe unten)

Im Durchschnitt waren dies also 3,78 Gemächer pro Herbergenhaus in der einstigen Kiesgrube an der Salzstraße, die ja im Laufe der Jahrhunderte immer wieder befestigt werden musste. – Die übrigen 11 Anwesen in der „Grube“ am heutigen Max-Weber-Platz gehörten ungeteilt je einem Tuchscherermeister, einem Schäfer, einem Werkzeugmacher, einem Zimmermann, einem Hafnermeister, einer Musikerswitwe und sogar fünf Tagelöhnern.

Eine gute Vorstellung von dieser Situation bekommt man in der Preysingstraße bei der Einmündung der Wolfgangstraße, wo in der heute noch existierenden, vergleichsweise winzigen Grube zwei gepflegte Häuser (um 1800) mit Gärtchen deutlich unter dem üblichen Niveau Platz gefunden haben. Dieses Herbergenviertel im Umkreis der ehemaligen Kiesgrube ist zu einem sehenswerten Idyll geworden, das einen Besuch wirklich lohnt.

Aus Gründen der Hygiene und wegen Baufälligkeit verschwanden von den 48 näher beschriebenen Häusern innerhalb von knapp 80 Jahren bis 1939 nicht weniger als 40 Anwesen. – Bomben während des 2. Weltkrieges und die Errichtung des Südbaus der chirurgischen Klinik gaben den letzten Herbergenhäusern den Rest. Die einstige Kiesgrube wurde aufgefüllt und ein Krankenhausgarten angelegt. – Auch die etwa 12 Herbergsanwesen (1861) unmittelbar am Südrand der Grube an der „Äußeren Wiener Straße“ verschwanden zur gleichen Zeit, ebenso die Anwesen auf der Nordseite der Grube an der „Oberen Feldstraße“, die einfach überbaut wurde. Heute stehen an der Stelle der alten „Grube“ die Hörsaalbauten und die Mensa der Klinikums rechts der Isar.

Ein ähnliches Schicksal erfuhr ein drittes Teilgebiet der großen „Schwaig“ an der Salzstraße, nämlich die Herbergsanwesen „An der Schwaige“, die sich im Osten an die Grube anschlossen. Dieser Straßenzug, die ehemalige „Farbmachergasse“ (bis 1856), verlief nur eine Häuserbreite parallel zur Äußeren Wiener Straße (heute Einsteinstraße) bis zur Trogerstraße. Die 13 Häuser standen alle auf der Nordseite der „Schwaige“, während die 10 Anwesen auf der Südseite mit ihren Hausnummern schon zur Äußeren Wiener Straße gezählt wurden.

Diese beiden Häuserreihen waren in der Bausubstanz etwas besser als die in der Grube. – Von den 13 Häusern „An der Schwaige“ waren 3 im Einzeleigentum je eines Tagelöhners, eines Schindelschneiders und eines Milchmannes. Die übrigen 10 Häuser waren in 40 Herbergen unterteilt, die z. B. 23 Tagelöhnern, 5 Maurern, 4 Zimmerleuten, einem Ziegelarbeiter, einer Melberhelferswitwe und einem Heubinder gehörten.

Von den 10 Häusern auf der Südseite der einstigen Farbmachergasse (seit 1856 „An der Schweige“), gleichzeitig an der Nordseite der Äußeren Wiener Straße gelegen, sind nur drei im Einzeleigentum einer Milchmannswitwe, eines Krämers und eines Hucklers. 7 Herbergsanwesen sind in 31 Gemächer unterteilt. Sie waren 1861 im „Besitz“ von 15 Tagelöhnern, 2 Maurern, 2 Zimmerleuten, 1 Uhrmachermeister, 1 Hebamme, 1 Krämer, 2 Hadernsammlern (= Lumpen-sammler), 1 Getreidehändler, dem Glasermeister Peter Reiner (dessen Nachkommen noch heute in der Haidhauser Steinstraße eine Glaserei betreiben), 1 Branntweiner (mit 3 Herbergen), 1 Schneidermeister und ein Hutmacher. – Insgesamt bestanden die beiden Häuserzeilen im Jahre 1861 aus 23 Häusern, von denen 17 Herbergsanwesen in 71 Gemächer unterteilt waren (im Durch-schnitt also ca. 4,17 Herbergen pro Anwesen).

Auffallend ist, dass in allen Herbergsvierteln etwa zwei Drittel der Herbergseigentümer Tagelöhner, Maurer und Zimmerleute waren. Erstaunlicherweise wurde nur selten der Beruf des Ziegelarbeiters oder Ziegelmeisters genannt. Dies hängt wohl damit zusammen, dass italienische Gastarbeiter im Sommer in großer Zahl nach Haidhausen kamen, um auf den Lehmfeldern in den Ziegeleien zwischen Ramersdorf, Berg-am-Laim, Haidhausen und Bogenhausen 14 Stunden und mehr am Tag zu arbeiten und in primitiven Unterkünften, meist in den Ziegelstadeln, mehr zu hausen als zu wohnen.

Was die Bomben von den insgesamt 23 Häusern zu beiden Seiten der Gasse „ An der Schwaige“ übriggelassen hatten, verschwand 1962 völlig, denn das Gebiet wurde – wie die Grube – dem Areal des Klinikums einverleibt. Nichts mehr erinnert hier an diese beiden einstigen Herbergsviertel an der ehemaligen Salzstraße von Berchtesgaden und Reichenhall nach München und Memmingen zum Bodensee und der Ausfallstraße nach Wien.

Das vierte Herbergengebiet, das zur „Schwaig“ (im weiteren Sinne) entlang der alten Salzstraße bzw. der Straße nach Wien gehörte, ist der „Kuglerberg“, dessen Bezeichnung 1856 amtlich wurde, als nämlich Haidhausen zwei Jahre nach der Eingemeindung seine offiziellen Straßennamen erhielt. Die 9 Häuser liegen bereits auf der Anhöhe, d. h. geographisch auf einer mit Lößlehm bedeckten Hochterrasse etwa 4 bis 5 m über dem Niveau der Niederterrasse, auf der die drei anderen kleinen Herbergenviertel, die „Kreppe“, die „Grube“ und die „Schwaige“, aber auch der Dorfkern um die alte Haidhauser Kirche zu finden sind. Zu den 9 Häusern zählten nur 2 Herbergsanwesen mit 9 Gemächern, die 7 Tagelöhnern, einem Zimmermann und einem Viehhändler gehörten. Die rest-lichen 7 Häuser waren im Einzeleigentum von 6 Tagelöhnern und 1 Fuhrmann.

Die Verbindung von der kleinen „Schwaige“ hinauf zum Kuglerberg stellte eine Häuserzeile her, die noch auf der lehmfreien Niederterrasse an der Äußeren Wiener Straße (Teil der Salzstraße) zwischen der heutigen Trogerstraße und dem Geländeanstieg zum eigentlichen Kuglerberg gelegen war. Es handelt sich um weitere 27 Häuser, von denen sich 10 im Einzeleigentum eines Maurers, eines Schweinehändlers, eines Pferdemetzgers, eines Ökonomen, der gleich-zeitig Branntweiner ist, eines Maurermeisters, Gärtners, zweier Tagelöhner, einer Viehhändlersfrau sowie der Stadt München befinden, der seit 1854 das Leichenhaus beim Haidhauser Friedhof gehört. Der Gottesacker liegt bereits auf der Hochterrasse, einer hochgelegenen Schotterfläche, die mit 2 m Lößlehm bedeckt ist. Diese Lehmfelder, die von hier bis hinüber nach „Berg am Lehm“ reichen, lieferten den Rohstoff für die Ziegeleien, die den Bedarf der Residenzstadt für Jahrhunderte zu decken vermochten.

Die restlichen 17 Häuser an der Äußeren Wiener Straße, die dann zum Kuglerberg hinaufführt, sind Herbergsanwesen mit 64 Gemächern. Sie gehörten – wie aus dem Haus- und Herbergenverzeichnis von 1861 hervorgeht – nicht weniger als 33 Tagelöhnern, 5 Maurern, 4 Zimmerleuten. Sie machten 1861 mehr als zwei Drittel der „Herbergenbesitzer“ aus. Der Rest der Herbergen gehörte einem Ziegelbrenner und einem Ziegelarbeiter, ferner 2 Schneidergesellen, 2 Vieh-händlern, 1 Brunnmacher, 1 Obsthändler, 1 Sägfeilerswitwe, 1 Schindelschneider, 1 Schmiedswitwe, 1 Hafenbinder, 1 Steinschleifer, 1 Näherin, einem Schuhflicker, 1 Schmiedgesellen, 1 Schrannenknecht, 2 Schweinehändlern, 1 Straßenarbeiter und einer Hadernsammlerswitwe sowie einer Erbengemeinschaft. – Im Durchschnitt hatten die 19 Herbergsanwesen um den Kuglerberg im Jahre 1861 rund 3,84 Herbergen.

Die Zahl der Herbergen in den einzelnen Teilgebieten der „Schwaig“ an der alten Salzstraße schwankte 1861 zwischen zwei und zehn pro Anwesen. Das Haus „In der Grube“ Nr. 2 zum Beispiel war in 9 Herbergen unterteilt; sie gehörten 3 Tagelöhnern, 2 Maurern, 2 Zimmerleuten, 1 Getreidehändler und einem Webermeister. – Das Herbergsanwesen an der Äußeren Wiener Straße Nr. 17 gegenüber der Häuserzeile „An der Schwaige“ besaß 10 Herbergen (heute würde man „Eigentumswohnung“ sagen). Sie waren im Eigentum von 5 Tagelöhnern, 1 Krämer, 2 Hadernsammlern, 1 Zimmergesellen und 1 Getreidehändler.

„Auf den Lüften“, dem heutigen Rosenheimer Platz, gab es sogar eine „Herberge“ (gebräuchliche Kurzfassung für ein Herbergsanwesen) mit nicht weniger als 11 Gemächern, die 6 Tagelöhnern, 1 Hausknecht, 1 Zimmermann, 1 Ziegelarbeiter, 1 Obstler und 1 Krämerswitwe gehörten.

Dieses gesamte soeben beschriebene Herbergenviertel, das bis etwa 1800 als „Schwaig“ bezeichnet wurde, ist bis auf einige Herbergen an der Kreppe und ein einziges Haus am Kuglerberg fast völlig verschwunden. Nach dem Kriege fielen die spärlichen Reste, die nicht durch Bomben zerstört oder der maroden Bausubstanz wegen abgebrochen worden waren, der Erweiterung des Klinikums rechts der Isar und der Verbreiterung der Einsteinstraße, aber auch dem ökonomischen Druck des wertvoll gewordenen Baugrundes und damit mancher Spekulation zum Opfer.

Insgesamt sind im Häuser- und Herbergen-Verzeichnis von 1861 für die gesamte Vorstadt Haidhausen (ohne den schon seit Jahrhunderten städtischen Gasteig) 491 Häuser aufgeführt. Darunter 164 Häuser mit 615 Herbergen, im Durchschnitt also 3,75 Herbergen pro Herbergsanwesen, zu deren Erwerb die Pfarrei St. Johann Baptist über Jahrhunderte bis in den 2. Weltkrieg als Kredit-geber fungierte. Das Kapital stammte zum allergrößten Teil aus über 200 Jahrtagsstiftungen, die nachweislich seit dem 16. Jahrhundert zugunsten der Kirchen in Haidhausen (einschließlich der Wolfgangskapelle an der gleichnamigen Straße) und zum Seelenheil der Stifter von der Hofmarksherrschaft und Handwerksmeistern bis hin zu Tagelöhnern erbracht worden waren.

Glücklicherweise haben sich noch einige „Herbergen“ auch am Rande des ehemaligen „Dorfes“ erhalten, die zumeist zwischen 1790 und 1845 während einer Zeit der vermehrten Bautätigkeit an der Preysing-, Wolfgang-, Milch- und Stein-straße in den damaligen Neubauvierteln errichtet worden sind, wenn man einmal von dem an anderer Stelle wieder erstandenen Kriechbaumhof – wohl aus dem Ende des 17. Jahrhundert – absieht. Es lohnt sich also bei einem Bummel dem alten Haidhausen nachzuspüren und man wird manche reizvolle Ecke entdecken, die man in einem Innenstadtrandgebiet nie erwartet hätte.

Aug. 2004 – J. Baier

 
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